Heizen und Lüften von Kirchen
Immer wieder wird die Frage an uns herangetragen, wie die klimatischen Bedingungen beschaffen sein sollten, damit Orgeln optimal ihren Dienst tun können bzw. wann sie Schäden erleiden.
Dabei gibt es unterschiedliche Gesichtspunkte:
Die TEMPERATUR eines Raumes wirkt sich unmittelbar auf die Stimmung einer Orgel aus, weil die Schallgeschwindigkeit des in den Labialpfeifen schwingenden Mediums Luft parallel zur Temperatur steigt oder fällt. Bei einem Grad Temperatur-Veränderung verändert sich im Bereich um 20 Grad Celsius die Tonhöhe um etwa 0,7 Hz pro Grad.
Das bedeutet, daß die Tonhöhe der Labialpfeifen einer Orgel bei einer Temperaturveränderung von 10 Grad um etwa 7 Hertz steigt bzw. fällt!
Dies gilt allerdings nicht für die Zungenregister, denn deren schwingendes Medium ist nicht Luft wie bei den Labialpfeifen, sondern eine Metallzunge. Die Längenänderung einer solchen Messing-Zunge bei einer Temperaturänderung um 10 Grad Celsius ist zu vernachlässigen, sodaß man davon sprechen kann, daß sich die Tonhöhe eines Zungentons dadurch nicht hörbar ändert.
Die beiden unterschiedlichen schwingenden Medien Luft und Metallzunge bei Labial- und Zungenpfeifen führen dazu, daß ein Zungenregister nur dann stimmt, wenn es bei derselben Raum-Temperatur gespielt wird, bei der es auch gestimmt wurde. Anderenfalls wird es Differenzen zwischen Labial- und Zungenregistern geben, weil sich die Labialpfeifen bei Änderungen der Raumtemperatur von den Zungenpfeifen in Bezug auf die Tonhöhe fortbewegen. Insofern spielt die Temperatur des Aufstellungsraumes eine wichtige Rolle bei der Stimmung der Orgel.
Neben der Raumtemperatur beeinflußt die RELATIVE LUFTFEUCHTE (rel. LF) der Raumluft das Instrument, weniger in Bezug auf die Tonhöhe als im Hinblick auf die Funktion des Instrumentes. Unmittelbar im Zusammenhang mit der relativen Luftfeuchte steht nämlich die Holzfeuchte.
Holz nimmt bei einer hohen Luftfeuchte Wasser auf und quillt - und gibt Wasser ab und trocknet, wenn die Luftfeuchte gering ist. Sinkt die Luftfeuchte zu schnell und zu stark ab, kann Holz reißen und es entstehen u.U. Schäden, die sich nicht wieder zurückbilden und ein Instrument schwer in Mitleidenschaft ziehen können. Dies betrifft die Orgel - aber natürlich auch alle anderen Holzteile in der Kirche. Beim Heizen ist deshalb das Augenmerk darauf zu legen, daß sich die relative Luftfeuchte nicht zu schnell ändert und bestimmte Werte keinesfalls unterschreitet!
Temperatur und rel. Luftfeuchte
bilden eine untrennbare Einheit
und sind immer zusammen zu betrachten!
Zusammenfassend läßt sich im Hinblick auf die Orgel sagen, daß ein Auf- UND AB-Heizen langsam geschehen muß:
Eine Aufheiz-Geschwindigkeit von 0,5 Grad Celsius pro Stunde sollte möglichst nicht überschritten werden. Zu betonen ist, daß auch ein Ab-Heizen (d.h. das kontrollierte Absenken der Raumtemperatur) erforderlich ist, damit es nicht zur Kondensation der inzwischen abgekühlten Luft auf den noch "warmen" Orgelteilen und damit in der Folge zu Schimmelbildung kommt!
Hinweise zum Temperieren und Lüften eines Kirchraumes finden Sie im
Faltblatt
"Heizen und Lüften von Kirchen" (PDF ca. 180 KB) sowie in der
Schrift
"Schimmelbildung in Pfeifenorgeln" von Burkhard Goethe (PDF ca. 170
KB).
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